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Ecstasy

Amphetamine / Ecstasy

Amphetamine (Speed, Crystal, Glass) und Ecstasy (MDMA, XTC, Adam oder Cadillac) sind eine Gruppe synthetisch hergestellter Substanzen, die teilweise auch in Medikamenten enthalten sein koennen (Amphetamine). Sie gehoeren zu den illegal als Suchtmittel verwendeten Stoffen und haben - je nach chemischer Struktur - eine aufputschende und/oder halluzinogene Wirkung. Sie koennen vor allem zur psychischen Abhaengigkeit fuehren.

Ein kurzer Blick in Geschichte und Herkunft

Amphetamin wurde erstmals 1887 synthetisiert und kam 1930 als Arzneimittel gegen Schnupfen auf den Markt. Die Beobachtung seiner psychostimulierenden Wirkung fuehrte 1934 zur Synthese des noch staerker stimulierenden und laenger wirkenden Methamphetamins. Dieses wurde unter der Handelsbezeichnung Methedrine zunaechst gegen Leistungsschwaeche und Lungenerkrankungen angewendet.

Bis Mitte der 40er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurden Amphetamine fuer etwa 40 medizinische Indikationen zugelassen, ohne sich jedoch als Therapeutikum zu bewaehren. Waehrend des Zweiten Weltkrieges wurden Amphetamine in grossen Mengen hergestellt und vor allem wegen ihrer stimulierenden und schlafverhindernden Wirkung vorwiegend von Soldaten konsumiert. Ende der 40er Jahre waren sie zunaechst vor allem unter Lastwagenfahrern und Studenten verbreitet, fanden aber in den folgenden Jahrzehnten immer weitere Konsumentengruppen.

Aufgrund des offensichtliche werdenden Suchtpotenzials und der Zunahme akuter Vergiftungserscheinungen und Amphetaminpsychosen wurden Verkauf und Verordnung von Amphetaminpraeparaten weltweit zunehmend beschraenkt. Mit der Einschraenkung des legalen Handels entwickelte sich gleichzeitig in grossem Massstab ein illegaler Markt, der in Verbindung mit der neuen Disco- und Partykultur der 90er Jahre grawierend an Umfang gewonnen hat.

Das als Ecstasy bekannte Amphetaminderivat MDMA wurde erstmals 1914 synthetisiert, nachdem die Darmstaedter Firma E. Merck bereits zwei Jahre zuvor das Patent hierzu erhalten hatte. Es wurde eine Zeitlang als Appetitzuegler eingesetzt. Vor allem wegen seiner Kommunikations- und kontaktfoerdernden Wirkung wurde MDMA in den USA bis 1985 und in der Schweiz bis 1993 in der Psychotherapie eingesetzt.

Ende der 60er Jahre wurden MDMA (Ecstasy) und das ihm nah verwandte MDA als so genannte "Liebesdrogen" zunaechst unter den Hippies in Kalifornien populaer. Seit Mitte der 70er fanden die Substanzen in den USA und in Grossbritannien und - seit Anfang der 90er - auch in Deutschland zunehmende Verbreitung.

Als Teilsubstanz sind Amphetamine und Amphetaminabkoemmlinge noch in verschiedenen Medikamenten enthalten, beispielsweise in Appetitzueglern, in Grippe- und Asthmamitteln sowie in Medikamenten zur Behandlung von Aufmerksamkeitsschwaeche bei ueberaktiven Kindern.

Die Substanz...

Bei Amphetamin (a-Methylphenethylamin) und seinen Derivaten handelt es sich um eine Gruppe synthetisch hergestellter Substanzen, deren so genannte Muttersubstanz das Phenylethylamin ist. Die illegale Herstellung aus verschiedenen Grundstoffen erfolgt in privaten Labors, in denen chemische Substanzen nach bestimmten Syntheseverfahren zur Reaktion gebracht werden. Als Ecstasy galt urspruenglich nur das chemisch als 3,4-Methylendioxy-N-methylamphetamin bezeichnete Amphetaminderivat.

Die zu dieser Gruppe gehoerenden und sich in ihrer Struktur nur geringfuegig davon unterscheidenden Substanzen MDA (3,4-Methylendioxyamphetamin) und MDE (3,4-Methylendioxy-N-ethylamphetamin - Eve) werden ebenfalls haeufig als Ecstasy bezeichnet. Inzwischen werden auf dem illegalen Markt die verschiedensten Substanzen unter der Bezeichnung Ecstasy angeboten, wobei die Tabletten oder Kapseln haeufig auch noch zusaetzliche Wirkstoffe wie Amphetamin und Coffein oder andere toxische Substanzen enthalten.

...und ihre Konsumformen

Amphetamine werden vor allem in Pulver- oder Tablettenform geschluckt. Daneben werden die Substanzen auch geschnupft oder in die Mundschleimhaeute eingerieben, was beides schneller und staerker wirkt. In geloester Form werden Amphetamine auch intravenoes injiziert. Die Tagesdosis schwankt zwischen 5-40 mg, wobei Dosen ab 50 mg pro Tag als hoch gelten. Speed ist eine Mischung aus Amphetamin, Methamphetamin, Ephedrin, Coffein und Verschnittstoffen, deren Wirkstoffgehalt zwischen 10 und 80 schwanken kann.

Ecstasy wird hauptsaechlich in Form von Kapseln oder Tabletten konsumiert, deren Wirkstoffgehalt meist zwischen 100-150 mg MDMA liegt, aber auch zwischen 50-250 mg schwanken kann. Insbesondere Kapseln sind haeufig verunreinigt und mit zusaetzlichen Wirkstoffen wie Amphetamin und Coffein versetzt. Meist beschraenkt sich der Konsum auf eine Tablette pro Abend, wobei allerdings auch Einnahmen von fuenf bis sieben Tabletten bekannt sind. Gelegentlich wird Ecstasy auch in Form von Zaepfchen dem Koerper zugefuehrt.

Die Effekte...

Entsprechend ihrer unterschiedlichen Wirkungsweisen werden Amphetamine und deren Derivate in drei Gruppen unterschieden:

- die Gruppe der Psychostimulantien (Amphetamin und Methamphetamin),

- die Gruppe der Entaktogene (MDA, MDMA, MDE) und

- die Gruppe der Halluzinogene (DOM).

Niedrige Dosen der Psychostimulantien, z.B. 5-20 mg Amphetamin, fuehren zu Euphorie, Rededrang und gesteigertem Selbstvertrauen. Es stellt sich ein Gefuehl entspannter Aufmerksamkeit und der Staerke ein. Die Konzentrations- und Leistungsfaehigkeit werden erhoeht, waehrend gleichzeitig Muedigkeit und Schlafbeduerfnis wie auch Appetit und Hungergefuehl unterdrueckt werden. Zu den koerperlichen Wirkungen gehoeren eine Erweiterung der Bronchien sowie ein Anstieg von Pulsfrequenz, Blutdruck und Koerpertemperatur. Mittlere bis hohe Dosen fuehren dagegen zu ausgepraegten Erregungszustaenden, begleitet von Beschleunigter Atemfrequenz, Zittern, Unruhe und Schlafstoerungen. Die Beruehrungsempfindung wird staerker, waehrend das Schmerzempfinden sowie Hunger- und Durstgefuehle abnehmen.

Ecstasy, das zur Gruppe der Entaktogene gehoert, loest 20 bis 60 Minuten nach der Einnahme vor allem ein inneres Gluecksgefuehl und friedliche Selbstakzeptanz hervor. Der Konsument fuehlt sich angstfrei und empfindet ein verstaerktes Selbstvertrauen. Der Abbau innerpsychischer Barrieren verbessert seine Kontakt- und Kommunikationsfaehigkeit, ohne dass er die Selbstkontrolle verliert.

Visuelle und akustische Eindruecke koennen intensiviert und die Beruehrungsempfindung gesteigert werden, waehrend gleichzeitig Schmerzempfinden sowie Hunger- und Durstgefuehle vermindert werden. Je nach Umgebung zieht sich der Konsument zurueck oder wird - beispielsweise bei Tanzveranstaltungen - aktiv. Nach Abklingen der Wirkungen stellt sich ein Zustand koerperlicher Erschoepfung ein, der unter Umstaenden von Schlaf- und Konzentrationsstoerungen, Depressionen und Angstzustaenden begleitet wird.

Halluzinogen wirkende Amphetaminderivate rufen vor allem Sinnestaeuschungen hervor und bewirken Veraenderungen des Denkens und der Stimmung. Als charakteristisch gilt die Erleichterung des assoziativen Denken, des so genannten Gedankenspringens.

Die Auspraegung der einzelnen Wirkungen wird von den Begleitumstaenden des Konsums, wie z.B. Umgebung und Gemuetslage, und von der Hoehe der Dosis entscheidend mitbeeinflusst. Wirkungseintritt und Wirkdauer haengen dabei von der jeweiligen Substanz und Konsumform ab. Bei oraler Einnahme von Amphetaminen setzt die Wirkung nach etwa einer halben bis vollen Stunde ein und haelt ca. vier Stunden an, wobei es sich im Gehirn anreichert. Die Halbwertzeit betraegt zwischen sieben und elf Stunden, im Extremfall 31 Stunden. Die Wirkung von Ecstasy beginnt nach etwa 15-20 Minuten und haelt etwa fuenf Stunden an.

Wirkungsweise

Amphetamin setzt in den Nervenzellen des Gehirns die Neurotransmitter Dopamin und - in geringerem Ausmass - auch Noradrenalin frei, waehrend es in hohen Dosen - ebenso wie die entaktogen wirkenden Substanzen, z.B. Ecstasy - vor allem die Serotoninausschuettung aktiviert.

...und die Risiken

Zu den besonderen Risiken zaehlt die haeufig anzutreffende Unkenntnis der Konsumenten ueber Reinheitsgehalt und Zusammensetzung des jeweiligen Stoffes, so dass Intensitaet und Dauer der Wirkung wie auch die moeglichen Nebenwirkungen fuer ihn nur schwer abzuschaetzen sind. Infolge des Amphetaminkonsums kann es zu unvermittelt ausbrechenden Aggressionen und Gewalttaetigkeiten, zu Verfolgungswahn und - eher selten - auch zu Halluzinationen kommen. Solche Amphetaminpsychosen treten in der Regel nach hohen Dosen auf, koennen sich im Einzelfall aber auch bereits nach sehr geringen Mengen wie 10 mg Amphetamin einstellen. Zu den Vergiftungserscheinungen infolge Amphetaminkonsums gehoeren u.a. Verlangsamung der Herztaetigkeit, Herzjagen, erhoehter oder erniedrigter Blutdruck, Schwitzen oder Froesteln, Uebelkeit, Erbrechen, Gewichtsverlust, Muskelschwaeche, Verwirrtheit und Krampfanfaelle.

Die akuten Risiken des Ecstasykonsums liegen - neben der nicht immer abschaetzbaren Wirkung infolge unbekannter Inhaltsstoffe - nach derzeitigen Erkenntnissen vor allem in den koerperlichen Begleiterscheinungen wie z. B. starker koerperlicher Aktivitaet, bei der mit einem bedrohlichen Fluessigkeitsverlust zu rechnen ist.

Dieser kann zur Austrocknung und Ueberhitzung fuehren und muss mit elekrolytehaltigen Getraenken - oder zumindest durch Essen von Salzstangen und Trinken von Fluessigkeit - ausgeglichen werden. Als unerwuenschte koerperliche Symptome koennen zudem Uebelkeit, Mundtrockenheit, Herzklopfen, Unruhe und Verspannungen der Kiefermuskeln sowie eine verstaerkte motorische Aktivitaet auftreten. Koerpersignale wie Hunger, Durst und Muedigkeit werden nicht mehr wahrgenommen. Gleichzeitig koennen Geschicklichkeit und Feinmotorik beeintraechtigt sowie das Konzentrations- und Urteilsvermoegen derart vermindert sein, dass die Teilnahme am Strassenverkehr eine zusaetzliche Gefahr darstellt.

Nach dem Abklingen der Wirkung kommt es haeufig zu Schlaflosigkeit, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, depressiven Verstimmungen und zu Gedaechtnisstoerungen. Problematisch und riskant ist ein Mischkonsum, wenn neben Ecstasy auch Alkohol, Cannabis, Speed, LSD und andere Drogen konsumiert werden.

Auf lange Sicht: Folgeschaeden

Nicht selten geht eine Amphetaminabhaengigkeit einher mit zunehmendem koerperlichen Verfall und einem Rueckzug aus dem sozialen Umfeld, wobei sich das Denken nur noch auf die Beschaffung der Droge konzentriert. Ueberdosierungen und chronischer Konsum von Amphetamin koennen zu Amphetaminpsychosen und bleibenden Schaedigungen von Nervenzellen des Gehirns fuehren. Dabei gilt Methamphetamin als der am staerksten toxische Amphetaminabkoemmling. Chronische Amphetaminkonsumenten neigen haeufig dazu, dieselben Taetigkeiten staendig zu wiederholen, beispielsweise immer wieder eine Schublade zu oeffnen, und sich auf einen bestimmten Gedanken zu fixieren.

Bleibende Schaedigungen nach dem Konsum von Ecstasy waren lange Zeit umstritten. Aufgrund neuerer Studien- ergebnisse geht man aber inzwischen vielfach davon aus, dass chronischer Ecstasykonsum zu dauerhaften Veraenderungen im Gehirn, insbesondere zu einer Abnahme jener Nervenzellen fuehren kann, die fuer den Serotonin-Stoffwechsel verantwortlich sind. Noch zu bestaetigende Befunde deuten zudem auf Wortfindungs- und Gedaechtnisstoerungen infolge von Ecstasykonsum hin. Darueber hinaus koennen durch Ecstasy u.a. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Lebererkrankungen, Krampfleiden, Gruener Star und Schilddruesenerkrankungen verstaerkt werden.

Die Frage der Abhaengigkeit

Amphetamine koennen sehr schnell zu einer starken psychischen Abhaengigkeit fuehren. In den ersten Monaten des Konsums erfaehrt der Konsument aufgrund seiner positiv wirkenden Ausstrahlung meist Bestaetigung und Bewunderung, doch in der Folge schraenkt er zunehmend seine sozialen Aktivitaeten ein. Um die gewuenschten Wirkungen schneller und intensiver zu erleben, wird haeufig zu einer schneller wirksamen Verabreichungsform uebergegangen, beispielsweise zum Rauchen oder Injizieren. Dies aendert jedoch auch die Wirkungen:

So dominieren nun beispielsweise die sich gleichfoermig wiederholenden Handlungen, das Gedankenfixieren und die Muemmelbewegungen im Mundbereich. Gleichzeitig entwickelt sich gegenueber den blutdrucksteigernden, appetitdaempfenden und euphorisierenden Wirkungen eine Toleranz, was wiederum zu Dosissteigerungen fuehrt. Zu den Entzugssymptomen beim Absetzen der Substanz gehoeren Schlaflosigkeit, Mundtrockenheit und Unruhe, aber auch psychische Symptome wie Stimmungsschwankungen, Angststoerungen und Depressivitaet.

Fuer Ecstasy wird ein vergleichsweise geringes Abhaengigkeitspotential vermutet. Allerdings werden Ecstasykonsumenten dann als besonders gefaehrdet eingeschaetzt, wenn sie vor allem eine psychostimulierende Wirkung suchen. Fuer diese Konsumentengruppe bildet Ecstasy erfahrungsgemaess eine Einstiegsdroge fuer die staerker wirksamen Psychostimulantien Amphetamin, Methamphetamin und Kokain.

Gefährliche Mischungen

Das Risikopotential des Amphetamin- wie auch des Ecstasykonsums wird dadurch erhoeht, dass die Kapseln oder Tabletten neben den spezifischen Wirkstoffen haeufig auch Kombinationen verschiedener Drogen, Arzneimittel oder anderer Stoffe enthalten. Diese Mischungen koennen u.a. zu extremen Kreislaufbelastungen, akuten Angstzustaenden, Vergiftungen und allergischen Reaktionen fuehren. Der gleichzeitige Konsum von Ecstasy und Alkohol belastet insbesondere Leber und Nieren und verstaerkt das gefaehrliche Austrocknen des Koerpers.

Glossar

Psychose

Seelische Stoerung, die oft mit Angst und Horrorvorstellungen einhergeht.

Derivat

Ein durch Veraenderung der Struktur gewonnener Abkoemmling einer chemischen Verbindung.

toxisch

1. giftig wirkend,

2. auf einer Giftwirkung beruhend

Psychostimulantien

Das zentrale Nervensystem erregende Substanzen, die die Gefuehls-, Stimmungs- und Erlebniswelten anregen und veraendern.

Entaktogene

Das zentrale Nervensystem erregende Substanzen mit antriebssteigernder Wirkung und starken psychotropen, d.h. die Psyche beeinflussenden Effekten im Bereich der Emotionen.

Halluzinogene

Das zentrale Nervensystem erregende Substanzen, die akustische und optische Wahrnehmungen hervorrufen, ohne dass das Wahrgenommene wirklich existiert.

Halbwertzeit

Zeitspanne, innerhalb derer eine dem Organismus zugefuehrte Substanz von diesem um die Haelfte abgebaut wird.

Neurotransmitter

Chemische Substanzen, die als Botenstoffe bei der Uebertragung der Erregung an den Schaltstellen der Nervenzellen - den Synapsen - freigesetzt werden und dadurch bestimmte hemmende oder erregende Effekte hervorrufen.

psychische Abhaengigkeit

Psychische Abhaengigkeit wird als "ein unbezwingbares, gieriges seelisches Verlangen, mit der Einnahme der Droge fortzufahren" definiert und ist aufgrund der daraus resultierenden Entzugserscheinungen beim Absetzen einer Substanz Hauptursache fuer die fortgesetzte Einnahme. Psychische Abhaengigkeit wird - im Unterschied zur koerperlichen Abhaengigkeit - praktisch von allen Drogen hervorgerufen.

Toleranz

Die durch Gewoehnung an eine Substanz verringerte Empfindlichkeit und Reaktion des Koerpers darauf.

Entzugssymptome

Die beim Absetzen einer zur Abhaengigkeit fuehrenden Substanz auftretenden koerperlichen und psychischen Erscheinungen.

Quelle: DHS-Faltblattserie "Die Sucht und ihre Stoffe - Eine Informationsreihe ueber die gebraeuchlichen Suchtstoffe, 8"